Von der Vermutung zur Gewissheit: Warum Simulationen nicht mehr nur eine Option sind
Ein Produkt kann zwar alle internen Anforderungen erfüllen, in der Praxis jedoch versagen.
Ein Produkt kann zwar alle internen Anforderungen erfüllen, in der Praxis jedoch versagen.
Eine Kaffeekapsel bricht bei dem vorgesehenen Druck nicht auf, was sich auf die Produktleistung und das Benutzererlebnis auswirkt. In einem Rechenzentrum entstehen aufgrund einer suboptimalen Luftströmungsführung unerwartete Hotspots, was zu erhöhtem Energieverbrauch, verkürzter Lebensdauer der Geräte und möglichen Betriebsunterbrechungen führt. Diese Situationen sind selten auf mangelnde technische Kompetenz zurückzuführen. Häufiger resultieren sie aus Entscheidungen, die auf einem unvollständigen Verständnis komplexer physikalischer Vorgänge beruhen.
In vielen Entwicklungsprozessen erfolgt die Validierung immer noch zu spät, nachdem Entwürfe bereits feststehen, Prototypen gebaut wurden und der Zeitplan unter Druck steht. In dieser Phase ist das Aufdecken eines Fehlers nicht mehr nur eine rein technische Angelegenheit. Es wirkt sich direkt auf Kosten, Lieferverpflichtungen und das Vertrauen der Kunden aus.
Die Kernfrage ist nicht, ob Probleme auftreten werden, sondern wann sie zutage treten und wie viel ihre Behebung kosten wird.

Entwurf, Test und Optimierung sind nach wie vor grundlegende Bestandteile der Technik. Da Systeme jedoch immer komplexer werden, reicht es nicht mehr aus, sich hauptsächlich auf physische Entwicklungszyklen zu stützen, um eine effiziente und fundierte Entscheidungsfindung zu gewährleisten.
Physikalisches Prototyping ist von Natur aus zeitaufwendig und kostspielig, und Tests finden oft zu spät statt, um grundlegende Designentscheidungen noch zu beeinflussen. Gleichzeitig lassen sich kritische Phänomene wie Strömungsverhalten, thermisches Verhalten oder nichtlineare Materialreaktionen nicht zuverlässig durch Intuition oder vereinfachte Regeln vorhersagen.
Infolgedessen sind Teams gezwungen, Entscheidungen auf der Grundlage von Annahmen, historischen Erfahrungen oder konservativen Sicherheitsmargen zu treffen. Dies beseitigt die Unsicherheit nicht, sondern verschiebt sie lediglich oder korrigiert sie übermäßig. Bis Probleme erkannt werden, sind die Kosten und der Aufwand für deren Behebung bereits erheblich gestiegen.
Ein früherer Einsatz von Simulationen begegnet diesen Einschränkungen direkt, ermöglicht es Teams, das Designverhalten zu bewerten, bevor physische Prototypen gebaut werden, und reduziert die Notwendigkeit von Korrekturen in späten Phasen.
Wenn die Grenzen doch bekannt sind, warum ist die Simulation dann noch nicht vollständig in jeden technischen Arbeitsablauf integriert?
Die Gründe sind selten technischer Natur. Simulation wird oft noch als komplex, ressourcenintensiv oder auf spezielle Anwendungsfälle beschränkt wahrgenommen. Zudem haben viele Unternehmen Prozesse etabliert, die sich auf die physikalische Validierung konzentrieren, was den Übergang zu einem stärker vorausschauenden Ansatz erschwert.
Ebenso wichtig ist, wie Simulation intern positioniert wird. Wenn sie als abschließender Validierungsschritt und nicht als Konstruktionswerkzeug behandelt wird, ist ihre Wirkung naturgemäß begrenzt. Diese Wahrnehmung hindert Unternehmen daran, ihren vollen Wert zu erkennen – nicht als zusätzliche Ebene, sondern als grundlegender Bestandteil der Entscheidungsfindung im Engineering.
Der Verzicht auf Simulationen senkt weder Kosten noch Risiken; vielmehr werden beide auf spätere Phasen des Prozesses verlagert, wo ihre Auswirkungen deutlich größer sind.
Aus finanzieller Sicht führt der Einsatz physischer Prototypen als primäre Validierungsmethode zu einem erhöhten Materialverbrauch und einem erhöhten Testaufwand. Bei komplexen Anwendungen, bei denen das Verhalten stark von den Konstruktionsparametern abhängt, wird dies schnell ineffizient. Simulationen, einschließlich fortschrittlicher CAE-Methoden (Computer Aided Engineering), machen Entwicklungszyklen zwar nicht überflüssig, verlagern jedoch einen erheblichen Teil davon in eine virtuelle Umgebung, in der Konstruktionsvarianten schneller und kostengünstiger untersucht werden können.
In vielen Branchen bedeutet eine verspätete Markteinführung nicht nur eine Verzögerung, sondern eine verpasste Chance. Wenn die Validierung zu spät erfolgt, führen notwendige Neukonzeptionen zu Verzögerungen, die sich auf den gesamten Projektzeitplan auswirken. Was als geringfügige Anpassung beginnt, eskaliert oft zu grundlegenden Überarbeitungen, verlangsamt den Fortschritt und schränkt die Fähigkeit eines Unternehmens ein, auf Marktanforderungen zu reagieren.
Am kritischsten ist vielleicht, dass das Fehlen frühzeitiger Erkenntnisse unkontrollierte Risiken mit sich bringt. Bestimmte Szenarien lassen sich mit physikalischen Mitteln nicht angemessen testen: Manche Systeme sind zu groß oder zu teuer, um Prototypen zu erstellen, andere existieren noch gar nicht, und bestimmte Bedingungen lassen sich in einer kontrollierten Umgebung nicht nachstellen. Selbst wenn Tests möglich sind, spiegeln Ergebnisse im kleinen Maßstab nicht immer das Verhalten in der Praxis wider. Ohne Simulation bleiben diese Unsicherheiten ungelöst, was die Wahrscheinlichkeit von Leistungsproblemen, Betriebsausfällen oder Reputationsschäden nach der Markteinführung des Produkts erhöht.
In diesem Zusammenhang ist der Verzicht auf Simulationen keine neutrale Entscheidung. Es ist die Akzeptanz vermeidbarer Unsicherheit.
Die Simulation definiert die Rolle der Analyse im Entwicklungsprozess grundlegend neu. Anstatt die Leistung erst nach der Umsetzung eines Entwurfs zu überprüfen, ermöglicht sie es Ingenieuren, Konzepte bereits in einem frühen Stadium zu bewerten und zu optimieren, wenn Änderungen noch effizient und kostengünstig sind.
Durch die Schaffung einer virtuellen Umgebung, in der Entwürfe unter realistischen Bedingungen getestet werden können, liefert die Simulation detaillierte Einblicke in das Systemverhalten, die sonst nicht zugänglich wären. Ingenieure können mehrere Entwurfsalternativen untersuchen, Leistungsabwägungen vornehmen und fundierte Entscheidungen auf der Grundlage quantitativer Daten statt Annahmen treffen.
Dieser Ansatz bildet den Kern des modernen CAE-gesteuerten Engineerings und unterstützt das leistungsbasierte Design, bei dem das Ziel nicht darin besteht, Mindestanforderungen durch konservative Schätzungen zu erfüllen, sondern eine optimale Leistung auf der Grundlage eines klaren Verständnisses der zugrunde liegenden physikalischen Zusammenhänge zu erzielen.
Für Unternehmen bedeutet dies weniger physische Prototypen, kürzere Entwicklungszyklen, eine verbesserte Produktqualität und deutlich geringere Risiken. Noch wichtiger ist, dass dadurch ein strukturierter, auf Erkenntnissen basierender Entscheidungsprozess etabliert wird, der projekt- und teamübergreifend skalierbar ist.
Nehmen wir das Beispiel der zuvor erwähnten Kapseln. In der Konstruktionsphase müssen Material und Geometrie so ausgelegt sein, dass die Kapsel bei einem genau festgelegten Druck und auf kontrollierte Weise zerbricht. Würde man dies allein durch physische Prototypen erreichen wollen, wären mehrere Testzyklen erforderlich, die jeweils zusätzliche Kosten und Zeit verursachen und lediglich zeigen, ob die Konstruktion funktioniert oder versagt.
Mit nichtlinearer FEM-Analyse erhalten Ingenieure Einblicke in die Ursachen des Verhaltens des Entwurfs, wie beispielsweise die Spannungsverteilung und Versagensstellen in der gesamten Geometrie. Dies ermöglicht eine gezielte Optimierung vor der Produktion, anstatt nachträgliche Korrekturen.
Bei der Belüftung von Rechenzentren ermöglicht die Simulation Ingenieuren, den Luftstrom und die Temperaturverteilung über verschiedene Konfigurationen hinweg zu modellieren. Sie liefert zudem Einblicke in kritische Effekte wie die Luftzirkulation, sowohl innerhalb der Rechenzentrumshalle als auch zwischen externen Anlagen, die die Kühlleistung erheblich beeinflussen können. Dadurch lassen sich wichtige Designentscheidungen – wie die Wirksamkeit von geschlossenen gegenüber offenen Kaltgängen – vor dem Bau validieren, was sowohl das Betriebsrisiko als auch Energieineffizienz reduziert.

Beispiel für die Belüftung eines Rechenzentrums [Cho, Lim, Kim 2009]
In der Schiffsbautechnik werden Simulationen eingesetzt, um den Rumpfwiderstand, die Propellerleistung, die Abgasströmung und den Wärmeaustausch in komplexen Systemen zu analysieren. Mithilfe fortschrittlicher CFD-Methoden können Ingenieure diese Vorgänge unter realistischen Bedingungen bewerten, bei denen physikalische Versuche nur begrenzt möglich sind und Skalierungseffekte eine zu große Herausforderung darstellen. Dies ermöglicht eine schnellere Konstruktionsoptimierung, senkt die Entwicklungskosten und verkürzt die Markteinführungszeit.In der Schiffsbautechnik werden Simulationen eingesetzt, um den Rumpfwiderstand, die Propellerleistung, die Abgasströmung und den Wärmeaustausch in komplexen Systemen zu analysieren.
All diesen Beispielen liegt ein einheitliches Muster zugrunde: Simulationen optimieren die technischen Arbeitsabläufe, indem sie Vermutungen durch fundierte Erkenntnisse ersetzen, die Abhängigkeit von kostspieligen Prototypen verringern und es ermöglichen, Entscheidungen mit größerer Sicherheit zu treffen.
Simulation sollte nicht länger als Spezialkompetenz betrachtet werden, sondern als unverzichtbarer Bestandteil moderner Ingenieurpraxis.
Für Entscheidungsträger steht nicht einfach die Einführung im Vordergrund, sondern die Integration in der richtigen Phase des Prozesses. Der größte Nutzen wird erzielt, wenn Simulation frühzeitig eingesetzt wird, wo sie Designentscheidungen aktiv mitgestalten kann, anstatt sie erst im Nachhinein zu validieren.
Die Konzentration auf Bereiche mit hoher Auswirkung, in denen Unsicherheit, Kosten oder Risiken am größten sind, bietet einen praktischen Ansatzpunkt. In komplexeren Fällen kann die Zusammenarbeit mit einem spezialisierten CAE-Beratungsunternehmen oder einem Engineering-Partner die Umsetzung beschleunigen und zuverlässige Ergebnisse gewährleisten.
In einem Umfeld, das durch zunehmende Komplexität geprägt ist, ist die Fähigkeit, Annahmen durch validierte Erkenntnisse zu ersetzen, nicht nur ein technischer Vorteil. Sie ist eine strategische Notwendigkeit.
Bei Femto Engineering betrachten wir Simulation nicht als technisches Zusatzmodul, sondern als strategische Kompetenz, die den größten Nutzen bringt, wenn sie frühzeitig eingesetzt wird. Sie reduziert zwar die Kosten und den Aufwand für die Prototypenentwicklung, doch ihre wahre Wirkung liegt darin, Designentscheidungen zu lenken, bevor Änderungen kostspielig werden.
Als erfahrene CAE-Beratungsfirma arbeiten wir mit Ingenieurteams von der frühen Konzeptfindung über die Designoptimierung bis hin zur abschließenden Validierung zusammen und stellen so sicher, dass die Simulation dort Wirkung zeigt, wo es am wichtigsten ist. Mit über 30 Jahren Erfahrung kombinieren wir fortschrittliche Simulationswerkzeuge mit fundiertem ingenieurtechnischem Fachwissen, um komplexe physikalische Zusammenhänge in klare, verlässliche Entscheidungen umzusetzen.
Jede ingenieurtechnische Herausforderung ist anders, doch Simulation kann bei den meisten einen Beitrag leisten. Kontaktieren Sie uns gerne, um zu erfahren, wie sie Ihren speziellen Fall unterstützen kann.
Benötigen Sie Information oder möchten Sie mit uns über Ihr Projekt sprechen? Nehmen Sie jeder Zeit Kontakt zu uns auf, gerne beantworten wir alle Ihre Fragen.
Bei Femto Engineering unterstützen wir Firmen dabei, ihre innovativen Projekte zu verwirklichen: mit Engineering, Training, Support, F&E und SDC Verifier.
Wir sind in den Benelux Ländern lizensierter Händler für Simcenter Femap, Simcenter Simcenter 3D, Simcenter Amesim, Simcenter STAR-CCM+, Altair HyperWorks, Altair SimSolid und Altair PhysicsAI. Melden Sie sich bei uns und lassen Sie die FEM und CFD Tools für sich arbeiten.
Melden Sie sich für unseren Newsletter an, um kostenlose Ressourcen, News und Updates monatlich in Ihrem Posteingang zu erhalten. Teilen Sie unser Fachwissen!